Der TV Kirchzell musste sich am Wochenende in einem intensiven und emotionsgeladenen Derby bei der HSG Rodgau Nieder-Roden mit 30:33 (15:16) geschlagen geben. In einer über weite Strecken ausgeglichenen Begegnung hielt der Odenwaldexpress lange dagegen, musste die Gastgeber im zweiten Durchgang jedoch etwas davonziehen lassen. Trotz einer kämpferischen Leistung und einer spannenden Schlussphase reichte es am Ende nicht für einen Punktgewinn. Die hitzige Derbyatmosphäre, zahlreiche Zeitstrafen und insgesamt drei rote Karten unterstrichen den intensiven Charakter der Begegnung.
Der TVK erwischte einen guten Start in die Begegnung. Joshua Osifo brachte die Gäste bereits nach 35 Sekunden mit 1:0 in Führung. In der Folge entwickelte sich von Beginn an ein offener Schlagabtausch, bei dem sich zunächst keine Mannschaft entscheidend absetzen konnte. Tim Häufglöckner sorgte mit drei Treffern in der Anfangsphase dafür, dass Kirchzell nach knapp zehn Minuten mit 6:5 vorne lag. Jannik Wolf und Levgen Zhuk bauten den Vorsprung bis zur 13. Minute auf 8:6 aus.
Doch die Gastgeber ließen sich nicht abschütteln. Angeführt von Samuel Hoddersen kämpfte sich Nieder-Roden zurück und glich in der 15. Minute zum 8:8 aus. Die Partie nahm zunehmend an Intensität zu. Beide Mannschaften schenkten sich nichts, und auch auf den Rängen war die besondere Derbyatmosphäre deutlich zu spüren. Bereits in der Anfangsphase mussten die Schiedsrichter mehrfach Zeitstrafen aussprechen.
In der 20. Minute folgte die erste direkte rote Karte der Begegnung. Nach einer Aktion gegen Joshua Osifo wurde Nieder-Rodens Niklas Klein disqualifiziert. Der TVK nutzte die anschließende Phase und ging durch Yann de Waha mit 11:10 in Führung. Doch auch danach blieb die Begegnung vollkommen offen. Die Gastgeber legten wieder vor, Kirchzell hielt dagegen. Nachdem Nieder-Roden zwischenzeitlich auf 15:13 davongezogen war, sorgte Levgen Zhuk mit zwei Treffern für den 15:15-Ausgleich. Kurz vor dem Pausenpfiff brachte Nick Oliver Weiland die Hausherren erneut in Führung, sodass es mit einem knappen 16:15 für Nieder-Roden in die Kabinen ging.
Für einen weiteren bitteren Moment sorgte die Verletzung von Tim Häufglöckner, der sich gegen Ende der ersten Halbzeit bei einer Aktion im Kampf um den Ball eine Nasenfraktur zuzog. Damit musste der TVK im weiteren Spielverlauf auf ihn verzichten.
Nach dem Seitenwechsel blieb das Derby zunächst genauso umkämpft wie in den ersten 30 Minuten. Zwar erhöhte Nieder-Roden unmittelbar nach Wiederbeginn auf 17:15, doch Levgen Zhuk und Antonio Schnellbacher stellten schnell den 17:17-Ausgleich her. Auch beim 18:18 durch Joshua Osifo in der 34. Minute war weiterhin alles offen.
In der Folge gelang es den Gastgebern allerdings, sich erstmals etwas deutlicher abzusetzen. Während Kirchzell im Angriff weiterhin zu seinen Möglichkeiten kam, fand Nieder-Roden zunehmend bessere Lösungen und setzte sich über 21:19 und 24:21 bis zur 42. Minute auf 25:22 ab. In dieser Phase musste der TVK zudem auf Mario Stark verzichten, der nach seiner dritten Zwei-Minuten-Strafe in der 41. Minute die rote Karte sah.
Der TVK versuchte dagegenzuhalten, doch die Gastgeber behaupteten ihren Vorsprung. Nach dem Treffer von Simon Brandt zum 26:22 in der 45. Minute sah sich Kirchzells Trainer Povilas Babarskas zu einer Auszeit gezwungen.
Der Odenwaldexpress gab sich jedoch keineswegs geschlagen. Tom Spieß, Niklas Ihmer und Jannik Wolf hielten die Gäste im Spiel. Beim 25:28 in der 48. Minute war der Rückstand wieder auf drei Treffer geschrumpft. Allerdings gelang es Kirchzell zunächst nicht, noch näher heranzukommen. Nieder-Roden fand immer wieder eine passende Antwort und stellte durch Samuel Hoddersen in der 50. Minute auf 29:25.
Doch auch in der Schlussphase bewies der TVK Moral. Niklas Ihmer und Antonio Schnellbacher verkürzten innerhalb weniger Sekunden auf 27:29. Zwar erhöhte Nieder-Roden anschließend wieder auf 30:27, doch Levgen Zhuk brachte seine Mannschaft in der 55. Minute erneut auf zwei Tore heran (28:30). Die Hoffnung auf eine Wende war damit weiterhin vorhanden.
Die Schlussminuten waren noch einmal von großer Intensität geprägt. Nach einer Zeitstrafe gegen Vadym Oskilko und dem Treffer zum 31:28 nahm Babarskas eine weitere Auszeit. Wenig später musste auch Levgen Zhuk nach einer direkten roten Karte das Spielfeld verlassen. Damit musste der TVK die Schlussphase ohne zwei seiner Spieler bestreiten. In der aufgeheizten Atmosphäre wurde um jeden Ball gekämpft, doch die Gastgeber ließen sich den Vorsprung nicht mehr nehmen. Joshua Osifo und Niklas Ihmer konnten zwar noch zweimal verkürzen, am Ende stand jedoch eine 30:33-Niederlage für den TV Kirchzell auf der Anzeigetafel.
Damit musste sich der Odenwaldexpress in einem umkämpften Derby geschlagen geben, in dem durchaus mehr möglich gewesen wäre. Über weite Strecken begegneten sich beide Mannschaften auf Augenhöhe. Ausschlaggebend war letztlich die Phase Mitte der zweiten Halbzeit, in der sich Nieder-Roden einen Vorsprung erarbeitete, den Kirchzell trotz aller Bemühungen nicht mehr vollständig aufholen konnte.
Neben der Niederlage schmerzt vor allem die Verletzung von Tim Häufglöckner. Die intensive Derbyatmosphäre, zahlreiche Zeitstrafen sowie die beiden direkten roten Karten gegen Niklas Klein und Levgen Zhuk und die rote Karte für Mario Stark nach seiner dritten Zwei-Minuten-Strafe prägten die Begegnung zusätzlich. Für den TVK gilt es nun, die Partie aufzuarbeiten und den Blick auf die kommenden Aufgaben in der 3. Liga zu richten.


